Frankreichs Musikindustrie prangert Fernsehsender an
Zu wenig Musikformate - Keine Unterstützung für Neuheiten
Paris
(pte/01.04.2005/15:50) -
Unter der Regie der französischen Regierung werden seit dieser Woche Fernsehsender und Musikindustrie an den Verhandlungstisch gebracht. Ziel ist die Ausarbeitung eines Plans, wie dem lahmenden Musikgeschäft mehr Präsenz im TV-Programm eingeräumt werden kann. Seit langem fühlt sich die Musik im französischen Fernsehen an den Rand gedrängt. Es gibt kaum mehr Programmformate mit Musik im Mittelpunkt und in den wenigen, die es gibt, wie Star Academy (die französische Version zu "Deutschland sucht den Superstar"), kommen Plattenneuheiten vom Musikmarkt so gut wie nicht vor. Nach ersten Sondierungsgesprächen wurde klar, dass von der Seite der TV-Sender keine Quoten für französischsprachige Musik akzeptiert werden, wie sie im Hörfunk durchgesetzt werden konnte.
Um beide Parteien überhaupt an den Verhandlungstisch bringen zu können, wurde als erster Schritt zu Anfang dieser Woche ein Kodex an Verhaltensregeln vereinbart. Die Unfähigkeit beider Seiten zu verhandeln, zwang Kulturminister Renaud Donnedieu de Vabres einen Vermittler zu engagieren, dessen Rolle Pierre-Francois Racine übernimmt, ehemaliger Chef der Vorläuferorganisation des Obersten Rates für Audiovisuelles http://www.sca.fr. Anfang dieser Woche traf sich Racine bereits mit Vertretern der einzelnen Sender. Quoten, die einen bestimmten Anteil an französischsprachiger Musik vorgeben, soll es laut Donnedieu nicht geben. Die Sender wollen von so einer strikten Regelung, wie sie im Radio durchgesetzt wurde, nichts wissen, heißt es in der Le Monde. Ein gemeinsamer Nenner muss hier auf andere Art und Weise gefunden werden.
Die Regierung hat Veronique Cayla, Direktorin des Filmfestivals von Cannes, beauftragt, einen Bericht über die Situation zu erstellen. In dem Papier kommt sie zu dem Schluss, die Musik sei im Fernsehen generell am Verschwinden, jedoch seien vor allem die Vielfalt und Neuigkeiten zu einem hohen Grad unterrepräsentiert. Das Anliegen der Musikindustrie, die im Februar dieses Jahres erneut sinkenden Verkaufszahlen hinnehmen musste, liegt dem Kulturminister scheinbar sehr am Herzen.
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