pte20081006031 Forschung/Entwicklung, Produkte/Innovationen

Computerprogramm schätzt das Alter von Personen

Gesichtsanalyse als Zukunftsalternative zu umstrittenen Verfahren


Entwickler Huang:
Entwickler Huang: "Alterserkennung kann der Werbewirtschaft nutzen" (Foto: ScienceDaily/Stauffer)

Illinois/Wien (pte031/06.10.2008/13:50) Eine neue Form der Altersfeststellung verspricht ein Computerprogramm, das die Universität Illinois entwickelt hat. Dazu wird nicht der ganze Körper, sondern allein das Gesicht untersucht. Mittels Algorithmen analysiert der Computer ein Foto des Untersuchten und schätzt auf dieser Grundlage das Alter der Person. Das Programm eigne sich für den Jugendschutz, meint der Erfinder: Es könne Minderjährige daran hindern, Zigarettenautomaten zu bedienen, bestimmte Lokale zu betreten oder auf nicht-jugendfreien Webseiten zu surfen.

Das Thema "Altersfeststellung" ist derzeit gerade im Asylbereich hochbrisant, da minderjährige Asylsucher in verschiedenen Ländern nicht abgeschoben werden können. Behörden geben folglich nicht unumstrittene Gutachten in Auftrag, deren Ergebnis häufig über menschliche Schicksale entscheidet. Bisherige Methoden seien jedoch "völlig unzufriedenstellend", so Rudolf Schmitzberger, der Obmann der Wiener Kinderärzte, im pressetext-Interview. Oft beurteilten Regierungsbeamte allein aufgrund ihres Augenscheins.

Sind Ärzte im Spiel, kämen zweifelhafte Kriterien wie die Entwicklung von Zähnen, Bart oder Sexualorganen zur Anwendung. Ein Ultraschallbild der Niere oder Schilddrüse liefere kaum evaluierte Ergebnisse, gleiches gelte für die Röntgenuntersuchung, die zudem dem Strahlenschutzgesetz widerspräche. Um einigermaßen befriedigende Ergebnisse zu erhalten, fordert Schmitzberger das Einbeziehen von Psychologen in die Beurteilung: "Die Lebensgeschichte und die Herkunft des Menschen muss berücksichtigt werden." Ob ein Computerprogramm die Lösung bringen könne, bezweifelt der Experte.

Denn es überrascht nicht, dass auch der Computer seine Probleme mit der Zuverlässigkeit hat. Nur mit 50-prozentiger Sicherheit vermag die Software laut seinem Entwickler Thomas S. Huang von der Illinois University das Alter "mit einer Abweichung von fünf Jahren" festzustellen. Brauchbar sei die Software daher eher für wenig heikle Bereiche, etwa für die Wirtschaft: Altersstatistiken über Kunden eines Betriebs wären möglich, oder eine situationsgebundene Abstimmung der Werbung auf das Alter der Besucher.

Viele Faktoren können den biologischen Alterungsprozess des Menschen bedingen, neben genetischer Veranlagung auch Gesundheit, Aufenthaltsort oder Lebensbedingungen. "Trotz allem liefert das Gesicht wichtige Hinweise für die Altersschätzung", verteidigt Huang seine Erfindung. Nachdem er das Programm an 1.600 Gesichtern verschiedener Ethnien trainiert hat, könne es das Alter von Menschen "zwischen eins und 93 Jahren" feststellen. Da nur das Alter, nicht aber die Identität erhoben wird, verletze das Programm die Privatsphäre nicht, betont der Computeringenieur.

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